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Plastikfrei durch den Alltag

Der Radiowecker reißt mich aus dem Schlaf, ich öffne die Augen, kurzer Blick auf die Uhr und mit dem Finger auf die Snooze-Taste gedrückt, kuschel ich mich rasch noch mal in meine Decke. Noch 5 Minuten bitte! Und schon wieder! Es trällert der nächste Superstar neben meinem kuscheligen Polster. Nun gut, die Off-Taste wird gedrückt. Und was fällt auf? Der erste Kontakt am Morgen mit Kunststoff. Denn mein kleiner weißer Trällerkasten, der mich täglich pünktlich aus dem Schlaf reißt, besteht zu einem hohen Prozentsatz aus Kunststoff. Dann ab ins Badezimmer, unter die Dusche. Vorhang zu, es soll ja nicht gleich das ganze Badezimmer unter Wasser stehen. Der Duschvorhang ist wasserabweisend und enthält somit auch Kunststoffe. Wasser marsch! Zum Duschgel gegriffen und na? Kunststoffverpackung, auch wenn es bereits eine Recyclingflasche ist. Brav gewaschen und abgetrocknet, schlüpfe ich in meine frische Kleidung. 100% Baumwolle ist nicht in jedem Kleidungsstück enthalten und so entdecke ich vor allem in Sportkleidung eine Vielzahl an Kunststoffen. Das Frühstück: Kaffee aus der Kapsel gepresst, die Milch aus dem Tetrapack, Quark aus dem Plastikbecher, das Müsli in Plastik verschweißt. Unfassbar, aber das nimmt ja gar kein Ende? Wieder zurück ins Badezimmer, Zahnbürste zur Hand, tadaaaa, wieder aus Plastik! Auch die Zahnpastatube aus Plastik und damit die Beißerchen schön weiß sind, enthält die Zahnpasta noch Mikroplastik. Die erste halbe Stunde meines Tages habe ich bereits mit mehr Kunststoff verbracht als mit natürlichen Stoffen. So kann das nicht weitergehen!

Fast täglich erreichen uns Bilder, die plastikverseuchte Flüsse, Meere, Wälder und Mülldeponien zeigen. Menschen und Tiere, die sich in diesen Bergen von Kunststoffen bewegen oder sogar leben. Es macht mich traurig, denn man hat das Gefühl, nichts dagegen tun zu können. Doch Resignation ist keine Option! Es gibt immer Möglichkeiten, etwas zu verbessern und auch in kleinem Rahmen kann man zu einer besseren Welt beitragen. Menschen sind Gewohnheitstiere und jegliche Veränderung ist schwierig. Die gewohnte Komfortzone zu verlassen, scheint einem fast unmöglich, ja gar lebensbedrohlich. Ich bin keine Greta Thunberg, dafür bin ich eindeutig zu alt. Und ich bin auch keine Weltverbesserin, die mit erhobenem Zeigefinger auf andere zeigt. Aber ich möchte etwas verändern, denn ich möchte nicht ständig mit dem Strom des Konsums und der Vermüllung der Welt mitschwimmen. Neil Armstrong hat bei seinem Besuch auf dem Mond gemeint: „That's one small step for man, one giant leap for mankind.“ Ja, schon klar, ich bin jetzt nicht Neil Armstrong und ich erkunde nicht den Mond. ABER: Jegliche Veränderung einer Person kann also auch auf diesem Planeten ein kleiner Schritt sein, aber ein großer für die Menschheit. Mag jetzt übertrieben formuliert sein, aber ich glaube fest daran, dass es nicht immer große Ereignisse sein müssen, die etwas bewegen.

Nun gut. Großartige Worte rausgespuckt und nun? Was soll ich nun verändern?
Anfangs meinte ich, ich müsste jetzt alles zusammenpacken, was Plastik enthält und sofort entsorgen und künftig kaufe ich nur Artikel ohne Plastik. Wenn man darüber mal genauer nachdenkt, ist das wohl kein guter Plan. Denn in medizinischen Produkten, Haushaltsgeräten, Mobiltelefonen, Laptops, fast in jedem Produkt, das wir täglich verwenden, steckt jede Menge Kunststoff drin. Soll ich das nun alles beim Fenster rauswerfen? Nein, das würde die Welt nun auch nicht retten. Kleine Schritte und Prioritäten setzen. Wo fange ich also an?

Ich beginne im Bad: Durchschnittlich dusche ich zweimal täglich. Da verbraucht man jede Menge Duschgel, das für gewöhnlich in einer Plastikflasche abgefüllt ist. Der Verbrauch und die Kosten sind da ganz schön hoch, denn da das Duschgel flüssig ist, wird auch nicht unbedingt damit gespart. Die letzte Flasche Duschgel wurde aufgebraucht und nun? Die gute alte Seife! Seife ist kostengünstiger, ist häufig in Papier oder Karton oder sogar unverpackt erhältlich und ich komme länger damit aus. Auch Wattepads und Wattestäbchen werden gegen 100% biologische Produkte ausgetauscht, auch die Verpackung dieser Produkte sollte natürlich abbaubar sein. Und siehe da, so leicht war es zumindest eine Kleinigkeit abzuändern. Der Duschschwamm wurde gegen einen Waschlappen ausgetauscht. Es mag altmodisch klingen, sich mit Seife und Waschlappen zu duschen, aber ich bin sicher nicht weniger sauber als mit Dusche und Duschschwamm.

Durstig? Wasser marsch!
Ich verlasse das Haus nie ohne eine Flasche Wasser. Mineralwasser und Sportgetränke habe ich früher aus Plastikflaschen konsumiert. Zwar habe ich diese Flaschen auch mehrmals verwendet, aber darin aufkommende Rückstände (trotz sorgfältiger Reinigung) bzw. der Geschmack von Wasser in Plastikflaschen vor allem bei Hitze ist nicht besonders lecker. Aber hallo?! Ich wohne in einem Land, das über höchst qualitatives Trinkwasser verfügt und das kommt sogar aus der Leitung! Da habe mir eine praktische Glasflasche zum Wiederbefüllen gekauft und trinke nun täglich frisch gezapftes Leitungswasser. Wenn es mal ein prickelndes Mineralwasser sein muss, dann kaufe ich dieses in der Pfandflasche aus Glas. Durch den Verzicht konnte ich auch finanziell einiges einsparen. Auch Fruchtsäfte aus dem Tetrapack wollte ich meiden, doch das gestaltet sich stellenweise etwas schwierig. Es sind kaum Fruchtsäfte in Glasflaschen erhältlich und schon gar nicht als Pfandflasche. Milch kaufe ich auch nur mehr in Glasflaschen. Einziger Nachteil: Glas ist natürlich schwerer als Plastik! Aber da muss man die Kirche mal im Dorf lassen, denn ich erledige meinen Einkauf größtenteils mit dem Auto. Ich schleppe meinen Einkauf daher nicht kilometerweit zu Fuß, da ist also ein höheres Gewicht durchaus in Ordnung und zumutbar. Klar könnte ich auf das Auto verzichten, dann würde ich das Fahrrad nehmen oder den Einkauf zu Fuß erledigen und mehrmals wöchentlich einkaufen, damit nicht so große Mengen zusammenkommen. Ein Wocheneinkauf wird mit dem Auto erledigt und da kann ich dann durchaus größere Mengen transportieren.

Verpackung einsparen. Aber wie?
Ich versuche so viel wie möglich in Glas verpackt und vorwiegend Pfandflaschen zu kaufen. Vor allem Milch und Joghurt kaufe ich auf diese Weise häufig ein. Für Quark (Topfen) habe ich leider noch keine Möglichkeit gefunden, diese in einer Glasverpackung zu kaufen. Obst und Gemüse kaufe ich so gut es geht möglichst unverpackt. Und selbstverständlich wird der Einkauf nicht im Plastiksackerl nach Hause getragen, sondern in Stofftaschen oder Kartons, die sich mehrmals verwenden lassen. Ein zusammenfaltbares Stofftascherl ist ein fixer Bestandteil in meiner Handtasche und somit immer griffbereit.

Wo kann man noch Plastik einsparen?
Bei der Wahl der Kosmetikartikel darauf achten, dass kein Mikroplastik enthalten ist. Auch bei Reinigungs- und Waschmittel versuche ich vermehrt darauf zu achten. Müllsäcke lassen sich größtenteils vermeiden, indem man die Müllbehälter mit alten Zeitungen auslegt. Biologisch abbaubare Müllsäcke sind zwar eine gute Idee, aber Biomüll verrottet schneller als es die Müllsäcke aus Stärke tun und daher kommt es beim Recycling immer wieder zu Problemen. Auch die Verpackung von z.B. WC-Papier, Küchenrolle, etc. kann man wunderbar als Müllsack verwenden – auch mehrmals!

Give me more! Geht das?
Diese Maßnahmen waren nun keine großen Schritte, haben aber meiner Meinung nach ein wenig zum Umweltschutz beigetragen und tatsächlich auch mein Geldbörserl etwas geschont. Irgendwie kam bei mir dann auch die Frage auf, wie man die Umwelt noch schonen kann und speziell beim Essverhalten ist noch einiges drin. Ich bereite mein Essen selbst frisch zu und verzichte auf Fertigprodukte. Das gute alte Vorkochen oder Meal prep, wie es heute genannt wird, ist bei mir wieder in Mode gekommen. Aufbewahrt und transportiert werden diese Leckereien in Glasbehältern. Der Coffee to go wird in einem Thermobecher konsumiert und wenn ich keinen zur Hand habe, dann überlege ich mir, ob ich mir 10 Minuten Zeit nehmen kann, um mich ins Café zu setzen und das Heißgetränk aus einer Tasse konsumieren kann. Dabei hab auch schon doppelt gewonnen, einen leckeren Kaffee und 10 Minuten Zeit für mich! Bei Lebensmittel versuche ich auf regionale und saisonale Produkte zu achten. Das spart auch Geld, denn wenn ein Obst oder Gemüse gerade Saison hat, ist das Angebot groß und der Preis günstig. Ich gebe biologisch produzierten Produkten den Vorzug, da sie einen wesentlichen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen beitragen und durch den Verzicht von Chemie auch Boden, Tier und folglich auch den Menschen schützen. Auch hier achte ich darauf, dass diese Produkte eher aus der Region kommen, denn ob ein Produkt vom anderen Ende der Welt die selben BIO-Kriterien erfüllt bzw. aufgrund des langen Transportwegs noch nachhaltig ist, bezweifle ich.

Was kann jeder tun? - Auf den Punkt gebracht:

  • Leitungswasser trinken
  • Essen selber zubereiten – Vorkochen
  • Auf Einweg-Plastikgeschirr verzichten
  • Vorräte in Gläser packen
  • Stofftaschen oder auch einen Korb oder Karton für den Einkauf verwenden
  • So gut es geht unverpackte Lebensmittel kaufen
  • Mikroplastik in Kosmetikprodukten, Wasch- und Reinigungsmitteln vermeiden
  • Sich Zeit nehmen und nicht immer nur „To Go“ konsumieren
  • Getränke und Milchprodukte in Glasflaschen, bestenfalls Pfandflaschen kaufen
  • Beim Obst und Gemüsekauf auf Regionalität und Saison achten


Es sind kleine Schritte, die helfen können, die Umwelt zu schützen! Aber wenn viele Menschen diesen kleinen Schritt machen, ist es ein großer für unseren Planeten! Und Umweltschutz ist nicht teuer! Ganz im Gegenteil: Man kann sogar Geld einsparen. Eine Ersparnis bei Müllkosten (bei Verzicht auf Verpackungen fällt zuhause natürlich auch weniger Müll an), Ersparnis bei Getränkekosten (Mineralwasser enthält nicht zwingend mehr Mineralstoffe als Leitungswasser), Ersparnis bei Lebensmittelkosten (Saisonale Produkte sind aufgrund des großen Angebots günstiger), Ersparnis beim Verbrauch von Kosmetikartikeln (Je nach Verbrauch kommt man vielleicht mit einem Stück Seife länger aus als mit einer Flasche Duschgel und Seife kostet im Durchschnitt nur die Hälfte). Ich suche nun weiter nach Möglichkeiten, in meinem Alltag Plastik zu reduzieren. Es ist nicht immer leicht, seine Gewohnheiten zu ändern und alte Muster zu durchbrechen. Schritt für Schritt gehe ich den Weg zu einem besseren ICH mit Bedacht auf unseren kleinen blauen Planeten und starte ein Selbstexperiment: Verpackungsfrei Einkaufen! Machst du mit?

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