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Keto-Power – Ein Selbstversuch

Immer wieder wage ich mich an neue Ernährungsformen oder Diäten heran und sammle Erfahrungen anhand von Selbstversuchen. Schließlich kann man nicht Wasser predigen und Wein trinken. Naja, vielleicht kann man das schon, aber das widerspricht meinem Prinzip der Authentizität. Also ran an den Speck und das neue Jahr mit einem neuen Selbstexperiment beginnen.

Ich habe mich für ein 4wöchiges Programm anhand des Buches „Keto-Power“ entschieden. Es handelt sich hierbei um ein Abnehmprogramm, das durch Low carb und ketogene Ernährung gekennzeichnet ist. Durch die ketogene Ernährung soll der körperliche Zustand der Ketose genutzt werden, um den Körper von Kohlenhydraten und Zucker zu entwöhnen. Der Körper gewinnt im Allgemeinen Energie aus den durch die Nahrung zugeführten Kohlenhydraten, die mithilfe von Insulin in der Muskulatur und in der Leber gespeichert werden. Wird die Kohlenhydratzufuhr stark gedrosselt, muss der Körper eine alternative Energiequelle suchen, hier kommt es zur Ketose. Der Körper zapft seine Fettreserven an und wandelt mithilfe von Ketonkörpern Fett in Energie um. Das klingt für mich nach einer idealen Möglichkeit, rasch Gewicht zu verlieren und dabei die Muskulatur nicht zu reduzieren bzw. vielleicht sogar zu vergrößern.

Im Buch werden folgende Vorzüge angepriesen:

  • Die eigenen Fettdepots werden als Energiequelle genützt, dadurch kann man einfacher und schneller abnehmen.
  • Aufgrund langer Kohlenwasserstoffketten, aus denen Fettmoleküle bestehen, soll man lange satt sein, da die Verwertung dieser lange benötigt, um Energie zu liefern.
  • Der Blutzuckerspiegel bleibt auf einem konstant niedrigen Niveau und Heißhungerattacken bleiben aus.


Nun gut. Das klingt alles sehr vielversprechend. Dann mal ran an den Speck! Im wahrsten Sinne des Wortes. Ketogene Ernährung ist eine Ultra Low Carb Variante mit High Fat Anteil. Das bedeutet, dass jegliche Art von Kohlenhydraten, wie Zucker, Nudeln, Reis, Vollkornprodukten strengstens untersagt sind. Auch mein heißgeliebter Milchkaffee ist wieder einmal tabu. In diesem Buch bestehen die Rezepte fast ausschließlich aus Gemüse, Ei, Käse, Fleisch, Milchprodukten, Fisch und reichlich Fett. Fett ist ja nicht gleich Fett und daher sind Avocados, Nüsse und hochwertige Pflanzenöle fixer Bestandteil der Gerichte. Gesüßt darf nur mit Erythrit werden, einem Zuckeralkohol.

Der Selbstversuch startet!

Die erste Woche besteht aus täglich 3 Mahlzeiten, also Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Die maximale Kohlenhydratzufuhr beträgt maximal 50g pro Tag. Die Gerichte bestehen hauptsächlich aus tierischen Produkten, Zucchini, Zwiebeln, Spinat, Tomaten, Nüssen und Beeren. Obst ist außer Beeren untersagt. Da ich seit Jahren auf Zucker weitestgehend verzichte und Zuckeraustauschstoffe nicht verwende, greife ich auch hier nicht zum Erythrit. Jedes der Rezepte schmeckt mir sehr gut und hält auch lange satt. Mein täglicher Café latte fehlt mir etwas, ich habe daher meinen Kaffeekonsum geändert und trinke ihn fast schwarz. Gut, ein kleines Schlückchen Milch kommt dann doch hinein. Erstaunlicherweise ändert sich die Café latte Gier rasch und mir schmeckt der Kaffee mit wenig Milch genauso gut. Was mache ich zusätzlich zu dieser Ernährungsform? Klar ist mir Bewegung wichtig. Daher absolviere ich 3 Mal in der Woche ein Bodyweight-HIIT-Training und gehe noch zusätzlich laufen, quäle mich beim Crossfit und entspanne beim Yoga.

Erste Eindrücke nach einer Woche Keto-Power

Ich habe tatsächlich etwas Gewicht verloren, die Mahlzeiten machen mich satt und sind lecker. Ich verspüre keinerlei Heißhungerattacken. Ich schlafe nicht gut, habe wirre Träume, was ich schon etwas auf die aktuelle Ernährungsweise zurückführe, denn ich habe grundsätzlich einen guten Schlaf und an meinem Alltag oder meiner Lebensweise nichts geändert. Meine Ausdauer lässt stark zu wünschen übrig, denn beim Laufen kann ich meine gewohnte Laufgeschwindigkeit und Distanz überhaupt nicht halten, ich bin viiiiiel langsamer, schnaufe nach dem ersten Kilometer wie eine alte Dampflok und fühle mich als wäre ich mit Blei gefüllt. Wohingegen bei den Workouts eine Verbesserung zu spüren ist. Ich merke einen Kraftzuwachs, kann Positionen länger halten oder mehr Wiederholungen absolvieren. Das stimmt mich positiv für die zweite Woche.

Ab in Woche 2!

In dieser Woche wird die Kohlenhydratzufuhr nochmals gedrosselt und auf 30g pro Tag beschränkt. Täglich dürfen ebenfalls drei Mahlzeiten, bestehend aus Frühstück, Mittagessen und Abendessen, verzehrt werden. Auch in dieser Woche sind die Hauptzutaten Speck, Eier, Avocado, Käse, Fleisch und Gemüse. Mein Fitnessprogramm behalte ich bei und absolviere brav meine Trainingseinheiten.

Fazit der zweiten Woche

Die Speisen schmecken sehr gut, aber ich muss auf mein Trinkverhalten Acht geben. Aufgrund der hohen Eiweißzufuhr muss ich darauf achten, ausreichend zu trinken, um meine Nieren die Arbeit zu erleichtern. Dennoch habe ich den Eindruck, dass meine Nieren auf Hochdruck arbeiten und gelegentlich schmerzen. Grundsätzlich bin ich ein ausgewogener Mischköstler und esse sehr oft vegan. Nun ist dieses Programm ganz anders gestaltet und ich habe Mühe, die Mengen an Fleisch und Eiern zu verzehren. Meine Verdauung verändert sich. Dennoch scheint sich der Körper auf die Ketose einzustellen, denn meine Laufleistung wird etwas besser, die Trainingseinheiten fallen mir gleich leicht oder schwer wie bei meiner gewöhnlichen Ernährung und auch einen sportlichen Schitag konnte ich kräftetechnisch gut meistern. Aufgrund der extrem hohen Zufuhr tierischer Produkte, die natürlich jede Menge Hormone und Zellkerne enthalten, merke ich zusehends, dass mein Körper darauf reagiert. Der Zyklus verändert sich – nicht zum Positiven! – was ich ehrlich gesagt nicht erwartet habe. Mit dem Gewicht geht es wieder bergauf in Richtung Ausgangsgewicht, obwohl ich das Gefühl habe, knackiger zu sein als vor zwei Wochen.

Ausblick Woche 3 und 4

In Woche 3 wird von drei auf zwei Mahlzeiten mit maximal 30g Kohlenhydraten pro Tag reduziert, die ketogene Ernährung wird nun mit Intervallfasten kombiniert. In Woche 4 wird die Kohlenhydratzufuhr auf 100g pro Tag erhöht, wobei das Intervallfasten beibehalten wird und das Frühstück ausfällt.

Die Entscheidung – Mein Fazit

Aufgrund der Reaktion meines Körpers und der zunehmenden Ablehnung, Fleisch und Eier in großen Mengen verzehren zu müssen, breche ich das Experiment zur Halbzeit ab. Ich kann diese Art der Ernährung nicht für eine dauerhafte Anwendung empfehlen, da ein zu hoher Eiweißkonsum die Nierenfunktion dauerhaft schädigen kann und auch die zusätzliche Hormonaufnahme aufgrund der großen Mengen an tierischen Produkten den eigenen Hormonhaushalt beeinflussen kann. Dennoch war ich über die Reaktion des Körpers im Bezug auf Kraft schwer beeindruckt, wenngleich ich leider verabsäumt habe, die Leistung entsprechend zu messen und daher nur subjektiv behaupten kann, dass sich etwas verbessert hat. Generell spricht nichts dagegen, ketogene Ernährung auszuprobieren oder diese alle paar Wochen oder Monate eine Woche in den Ernährungsplan einzubauen. Im Buch wird angemerkt, dass eine ärztliche Betreuung nicht notwendig ist. Aufgrund der hohen Eiweißzufuhr würde ich jedoch sehr wohl empfehlen, vorab ärztlichen Rat einzuholen, ob die ketogene Ernährung für den eigenen Gesundheitszustand passend und möglich ist. Denn die eigene Gesundheit ist ein unbezahlbares, wertvolles Gut, das man nicht unnötig aufs Spiel setzen sollte!

Welche Ernährungsform kann ich empfehlen?

Egal ob vegan, vegetarisch oder fleischliebend – ich denke, du solltest zuerst die Ernährungsform wählen, die du ethisch/moralisch vertreten kannst und die dir schmeckt. Allgemein macht bekanntlich die Dosis das Gift und daher sollte alles erlaubt sein, aber mit Maß und Ziel. Ausgewogen, vielseitig, regional und saisonal sind meiner Meinung nach in jeder Ernährungsform ein MUSS, um dauerhaft gesund und glücklich zu sein. Wenn du bei deiner Ernährungsweise Unterstützung benötigst, bin ich dir gerne behilflich.

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