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Intervallfasten im Selbstversuch

Die Fastenzeit ist für einige Menschen vor Ostern ein jährliches Pflichtprogramm. Warum gefastet wird, hat viele Gründe: Abnehmen, Religion, Aktivierung der Selbstheilungskräfte oder man möchte sich selbst testen, wie lange man sich einschränken kann. Fasten ist ja nicht primär auf Ernährung beschränkt, so mancher hat sich das Rauchen abgewöhnt oder auf Süßes verzichtet oder sich schlechte Gewohnheiten abgewöhnt. Ich habe noch nie eine Fastenkur gemacht, jedoch schon viel über die heilende Wirkung gelesen. Warum also nicht mal einen Selbstversuch wagen? Bevor ich das Experiment starten konnte, musste ich mich mit den verschiedenen Fastenmethoden auseinandersetzen.

 

Fastenmethoden

Langzeitfasten: Diese Methode hat häufig religiöse Gründe. Man fastet über einen langen Zeitraum von mindestens 30 Tagen. Der Verzicht auf Alkohol, Koffein und bestimmte Lebensmittel soll dabei helfen, seinen Körper zu reinigen und die Nähe zu Gott zu stärken.
Heilfasten: Hierbei handelt es sich um eine Fastenvariante, die von Dr. Otto Buchinger entwickelt wurde. Diese Fastenkur dauert 7 bis 10 Tage. Man nimmt Nahrung nur in flüssiger Form zu sich, die aus Obst- und Gemüsesäften sowie Suppen besteht und die tägliche Kalorienzufuhr drastisch einschränkt. Mithilfe von leichter Bewegung, Massagen und Kneippkuren wird der Körper dazu angeregt, seine Zellablagerungen zu recyceln und Giftstoffe auszuleiten. Diese Art des Fastens empfiehlt sich abseits des Alltags zu erleben, da diese Methode auch auf die Stimmung schlagen, die Kreativität und natürlich auch die körperliche Leistungsfähigkeit einschränken kann. Diese Fastenkur in einer Kuranstalt zu erleben, würde für mich eher Sinn machen, da das Erleben und Durchstehen der Kur mit Gleichgesinnten sicher einfacher ist.
Smoothie-Fasten: Mithilfe von Obst- und Gemüsesäften wird über einen Zeitraum von 3 bis 14 Tagen der Recyclingprozess in den Zellen angeregt und das Verdauungssystem entlastet. Diese Methode eignet sich für eine Wochenendanwendung zuhause und kann mehrmals jährlich durchgeführt werden.


Intervallfasten: Bei dieser Methode wird 16 Stunden gefastet und 8 Stunden gegessen. Diese Art zu Fasten lässt sich sehr leicht in den Alltag integrieren und ist einfach anzuwenden. Heilende und reinigende Wirkung erfährt man jedoch nur, wenn man dabei auf eine ausgewogene Ernährung achtet. Nur die Zeiten der Nahrungsaufnahme einzuschränken, ohne sein Essverhalten zu ändern, macht wenig Sinn.

 

Die Qual der Wahl

Was waren meine Beweggründe zu fasten? Ich habe mich über einen Monat mit verschiedenen Infekten herumgeschlagen, fühlte mich müde und schlapp und hatte das Gefühl, nie richtig gesund zu sein. Alle Fastenmethoden versprechen eine Verbesserung des Wohlbefindens und der Gesundheit. Autophagie lautet das Zauberwort! Das ist ein Prozess, der im Körper ab einer 12-stündigen Fastenzeit anläuft und Ablagerungen in den Zellen recycelt, wertvolle Nährstoffe herausfiltert und wiederverwertet bzw. Giftstoffe ausscheidet. Langzeitfasten kam für mich nicht in Frage, Heilfasten war aufgrund des Zeitrahmens und der Termine nicht möglich und für mich lässt sich diese Methode einfach nicht in den Alltag integrieren. Smoothie-Fasten war mir zu flüssig – ich kaue gerne mein Essen – da blieb also nur noch Intervallfasten.

Ab in die Buchhandlung und gleich zum aktuellen Bestseller gegriffen. Es handelt sich um eine Intervallfastenmethode, die sich auf vegane Ernährung beschränkt, jedoch leichter in den Alltag zu integrieren ist. 14 Tage täglich 16 Stunden fasten und in 8 Stunden nur 3 kalorienreduzierte Mahlzeiten essen, die ausschließlich vegan zubereitet werden. Koffein, Alkohol und tierische Produkte sind tabu. Täglich Bewegung und spezielle Stretchingeinheiten runden das Projekt ab. Die Kalorienzufuhr beträgt täglich ca. 800 bis 1000 kcal, das deckt nicht einmal meinen Grundumsatz.

 

Ausgangssituation

Ich bin eine sportliche Frau mit einer Größe von 165cm und wiege zu Beginn der Fastenkur 53,4 kg. Um die Veränderung des Körpers nicht nur auf der Waage zu sehen, habe ich eine BIA-Messung durchführen lassen. Mein Muskelanteil beträgt 22,2 kg und meine Fettmasse schlägt mit 12,8 kg zu buche. Für mein Alter von 27 *hust* ähm 37 Jahren *hust* also nicht so schlecht. Ich gehe durchschnittlich 10.000 Schritte pro Tag, ein leichtes Bodyweightworkout wird 3 Mal die Woche absolviert und zusätzlich kommt noch Yoga, Nordic Walking oder ein Training mit der Faszienrolle hinzu. Meine tägliche Kalorienzufuhr von ca. 2000-2200 kcal nehme ich in ausgewogener Mischkost bestehend aus 3-4 Mahlzeiten, vorwiegend warm, zu mir. Und ja, Kaffee und gelegentlich – also 1-2 Mal in der Woche - ein Stück Torte oder Kuchen gehört auch dazu.

 

Start the engines!

Der erste Tag war schon ein großes Drama für mich. Ich gebe zu, ich bin ein Milchkaffee-Junkie! Gut, ich trinke maximal 2 dieser Lieblinge täglich, aber der ist beim Intervallfasten ja leider tabu. Das Essen bestand am ersten Tag nur aus rohem Obst und Gemüse und ich bin ausschließlich kalte Speisen nicht gewöhnt. Der Tag endete mit Dauerhunger und starken Kopfschmerzen, wobei ich das auch auf zu wenig Flüssigkeit zurückführe, denn ich habe eindeutig zu wenig Wasser getrunken. Tag 2 ging es mir schon besser, aber das Hungergefühl ist geblieben. Meine Essenszeiten habe ich von 10 bis 18 Uhr täglich eingeplant und bis zur ersten Mahlzeit hatte ich das Gefühl, ich würde mich bald selbst verdauen. Was ja eigentlich nicht ganz so verkehrt ist, denn das soll der Körper ja machen. Das Essen war richtig lecker. Tag 3 war kulinarisch auch ein Highlight, aber Müdigkeit schlich sich ein und ich konnte mein Workout nur mit Mühe absolvieren. Tag 4 war erstaunlich gut. Ich hatte nicht mehr das Gefühl zu verhungern und tatsächlich fühlte ich mich kraftvoll und hatte Energie. Scheinbar begann der Körper sich an die Belastungen bzw. Entlastungen zu gewöhnen. Tag 5 habe ich mich mal auf die Waage gestellt und der Zeiger hat kaum Veränderungen angezeigt. Die Haut zeigt nun erste Entgiftungserscheinungen, aber gefühlt habe ich Energie, um Bäume auszureißen. Keine Sorge, ich reiße keine Bäume aus und auch sonst keine Pflanzen. Tag 6 war ebenfalls ein guter Tag, der Hunger kommt nur kurz vor den Mahlzeiten auf und ich gewöhne mich langsam daran, zeitlich eingeschränkt zu essen. Tag 7 – Halbzeit – Das Essen schmeckt nach wie vor, auch die vegane Ernährungsweise stellt grundsätzlich kein Problem dar, außer dass saisonal nicht alles verfügbar ist, was die Rezepte beinhalten. Die Ausdauer scheint keine Einbußen zu zeigen, aber das Workout fällt mir zusehends schwerer.

Tag 8 hat kaum Veränderung gebracht, das Essen war sehr lecker und vor allem sind die Rezepte einfach zuzubereiten. Tag 9 gab es einen kleinen Einbruch. Ich hatte kaum Energie und es hat mich wahnsinnig stark nach Milchkaffee gelüstet, jedoch habe ich der Versuchung nicht nachgegeben. Tag 10 war kulinarisch für mich etwas mühsam. Es war in den Rezepten sehr viel Säure enthalten, die mir etwas auf den Magen geschlagen hat. Eher kraftlos habe ich meine Workouts absolviert und auch die 10.000 Schritte waren etwas mühsam. An Tag 11 ging es mir deutlich besser. Das Essen verlieh Kraft und Energie und ich konnte mein Workout mit Leichtigkeit erledigen. Langsam stellten sich Schlafprobleme ein, wobei es kein wirkliches Problem war, ich konnte nicht mehr länger als 6 Stunden schlafen und fühlte mich danach aber ausgeschlafen und fit. Die Haut scheint nun an Tag 12 auch fertig entgiftet zu haben, denn die Unreinheiten nehmen nun endlich ab. Tag 13 war speziell. Das Essen schmeckte, ich hatte Energie, um Workout und die 10.000 Schritte zu absolvieren, aber ich fühlte mich den ganzen Tag über müde und schlapp. Tag 14 war ein kulinarisches Highlight. Die Mahlzeiten waren extrem lecker und die Vorfreude auf meinen heißgeliebten Milchkaffee hat mir zusätzlich Energie verliehen. Unfassbar! 14 Tage geschafft!

 

Was hat sich nun verändert?

Selbstverständlich wollte ich die Veränderung nicht nur auf der Waage oder im Spiegelbild sehen, sondern messbar machen. Eine BIA-Messung an Tag 14 hat erstaunliches hervorgebracht. Ich habe 52,7 kg auf die Waage gebracht, habe als nur 0,7 kg verloren. Erstaunlicherweise habe ich 0,2 kg Muskelmasse zugelegt und 0,6 kg reine Fettmasse verloren. Und ich fühlte mich nach dieser Kur endlich wieder gesund und fit. Was ja mein primäres Ziel war.

 

Mein Fazit

Grundsätzlich finde ich die Idee des Intervallfastens nicht so schlecht. Vor allem für Menschen, die nicht gerne frühstücken oder keine Zeit dafür haben. Für mich kommt es eher nicht in Frage, da das Frühstück meine liebste Mahlzeit ist. Intervallfasten macht auch nur dann Sinn, wenn man sich ausgewogen und gesund ernährt und seinen Kalorienbedarf bzw. den Großteil davon deckt. Das ständige Hungergefühl über 2 Wochen hat meine Gedanken ständig um Essen bzw. die nächste Mahlzeit kreisen lassen. Gedanklich wurde Essen zu meinem Lebensinhalt, was mich bei einer ausgewogenen Ernährung nicht plagt, außer ich habe schon großen Hunger. Erstaunlich war jedoch die körperliche Veränderung und auch der Magen schrumpfte. Ich konnte nur noch deutlich kleinere Mahlzeiten zu mir nehmen. Dennoch ist nichts von Dauer und nach einigen Wochen habe ich mein altes Gewicht wieder erreicht. Das Fitnesslevel konnte ich jedoch gut halten bzw. weiter verbessern. Dieses 14tägige Experiment hat mir gesundheitlich gut getan, auch wenn dieses Programm für mich nicht auf Dauer praktizierbar ist. Vegane Ernährung hat jedoch einen hohen Stellenwert gewonnen und ich integriere nun regelmäßig vegane Mahlzeiten in meinen Speiseplan. Als Kur ist für mich dieses zweiwöchige Programm durchaus empfehlenswert.

 

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